• Die Geschichte der Stadt Frankfurt ist die Geschichte eines Aufstiegs – von einer kleinen Siedlung, gelegen in den sumpfigen Niederungen des Mains, hin zur Hochhausmetropole Europas. Quelle: © wikimedia.org
    Die Geschichte der Stadt Frankfurt ist die Geschichte eines Aufstiegs – von einer kleinen Siedlung, gelegen in den sumpfigen Niederungen des Mains, hin zur Hochhausmetropole Europas.

Jener berühmte Ort, der Frankfurt genannt wird

Wo heute Frankfurts Altstadt liegt, war einst ein Hügel, der wie eine Insel aus einer sumpfigen, von zahlreichen Seitenarmen des Mains durchzogenen Niederung herausragte. Obwohl das Gebiet bereits seit merowingischer Zeit durchgehend besiedelt war, sind die Anfänge der Stadt eng geknüpft an den alten Siedlungsplatz der Franken, der erst zum Königshof und später zur Kaiserpfalz ausgebaut wurde. Zusammengesetzt aus den Worten Frank und Furt verdankt Frankfurt am Main den Franken demnach seinen Namen. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Frankfurt findet sich in einem Dokument, das 794 im Kloster St. Emmeram in Regensburg ausgestellt wurde – im selben Jahr, in dem Karl der Große eine Synode in Frankfurt einberief.

  • Großes Bild: Das 1889 von Peter Becker gemalte Aquarell basiert auf alten Zeichnungen, die die
    Alte Brücke zu Anfang des 17. Jahrhunderts zeigen, als die beiden Brückentürme auf der Nordund
    Südseite des Mains gemeinsam mit der Brückenmühle noch die Skyline der Stadt bestimmten.
    Kleines Bild: Das 1888 entstandene Aquarell von Leopold Bode schildert anschaulich die Entdeckung
    der Frankenfurt durch Karl den Großen. Quelle: © Historisches Museum Frankfurt am Main

Von Franken und Sachsen

Noch heute erzählt man sich auf Grundlage der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg in diesem Zusammenhang folgende Sage: Unter Kaiser Karl dem Großen führten die Franken Krieg gegen die Sachsen und wurden von diesen erfolgreich hinab an die Ufer des Mains getrieben. Als nun die Franken an die Stelle des Mains kamen, wo heute Frankfurt liegt, erschraken sie über die Breite und Tiefe des Flusses, denn sie hatten weder eine Brücke noch Schiffe, um hinüberzugelangen. Der Sage nach erschien aus göttlicher Barmherzigkeit eine Hirschkuh, die durch das Wasser bis zum anderen Ufer schritt. Da wussten die Flüchtigen, wo sie ohne Gefahr den Fluss überqueren konnten. Die später nachfolgenden Sachsen jedoch fanden diese Furt nicht und mussten die Franken unverfolgt lassen. Karl der Große aber soll gesprochen haben: „Besser, dass die Völker sagen, ich sei mit meinen Franken diesmal vor den Sachsen geflohen, als dass sie sagen, ich sei hier gefallen; denn weil ich lebe, kann und will ich meine Ehre retten!“ Dort nun siedelten sich die Franken an und nannten den Ort die Furt der Franken.

Manche sagen, gleich damals hätten die Sachsen einen Ort gegenüber von Frankfurt gegründet, den sie Sachsenhausen nannten. Andere aber behaupten, die Gründung Sachsenhausens sei erst dann geschehen, als Karl der Große die von ihm unterworfenen Sachsen zur Ansiedlung auf fränkischem Boden genötigt habe. Wie dem auch sei, diese oft verbreitete Version der Sage enthält jedoch eine nicht unwichtige Verwechslung: Bischof Thietmar von Merseburg erwähnte damals nicht Kaiser Karl, sondern König Karl – und damit war wohl Karl Martell gemeint, der Großvater Karls des Großen.

Aus taktischen Gründen jedoch wurde diese Geschichte kurzerhand vom Großvater Karl Martell auf dessen Enkel Kaiser Karl den Großen übertragen – passt sie doch viel besser zu dieser Lichtgestalt des Frühmittelalters als zu dessen nicht ganz so berühmtem Vorfahren.

Wo ist die Frank-Furt?

Wo genau diese besagte Furt lag, kann heute nicht mehr eindeutig geklärt werden, denn der Main wurde mehrfach ausgebaggert, kanalisiert und die Uferstreifen wurden verändert. Frühere Berichte, wie etwa der von Johann Georg Battonn, verweisen unter dem Stichwort „Fahr“ oder „Faer“, welches früher als Furt übersetzt wurde, auf die Fahrgasse als Stelle des Mainübergangs. Zudem gibt es klare Hinweise, dass die Furt durch eine Kalksteinbank im Flussgrund hergestellt war und zwischen der Bubis- und Untermainbrücke begangen werden konnte. Ein Blick auf den mittelalterlichen Gassenverlauf zeigt zudem, dass es eine weitere Furt nahe der Paradiesgasse in Sachsenhausen gegeben haben muss. Fest steht jedoch, dass Frankfurt gerade durch seine zentrale Lage und die Nähe zum Main im Mittelalter zu einer wichtigen Handels- und Messestadt aufstieg und heute Deutschlands Finanzmetropole, Messeplatz und Hochhausstadt ist.